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Behandlungsfehler - was tun?

 

Was machen Sie, wenn Sie einen Behandlungsfehler vermuten? Medizinische Behandlungsfehler sind selten sofort offensichtlich.

Wenn Beschwerden nicht besser werden oder andere auftreten, wenn ein Eingriff mit Komplikationen verlaufen ist, beginnen Sie vielleicht nach den Gründen zu fragen:

  • Warum dauert eine Heilung so lange?
  • Ist da nichts oder wenig zu machen?
  • Ist die gestellte Diagnose richtig?
  • Hat der Arzt einen Fehler gemacht?

Wenn ein begründeter Verdacht vorliegt, sollten Sie in erster Linie sämtliche Behandlungsunterlagen aus dem Krankenhaus/der Arztpraxis anfordern und sich deren Richtigkeit und Vollständigkeit schriftlich bestätigen lassen.

Jeder Patient hat das Recht auf Einsichtnahme in seine Krankenakten und Anspruch auf Kopien gegen Kostenerstattung. Dieser Anspruch ist durch viele Grundsatzentscheidungen und Urteile begründet und wurde in dem seit 26. Februar 2013 gültigen Patientenrechtegesetz verankert.

Informieren Sie sich, wie Ihre Erkrankung behandelt wurde und welche Alternativen es gibt. Listen Sie auf, wie sich Ihre akuten Beschwerden äußern.

Sie sollten sich darüber klar werden, welches Ziel Sie verfolgen. Falls Sie Schmerzensgeld- und Schadensansprüche an die Arzthaftpflichtversicherung stellen und diese abgelehnt werden, bleibt nur der Weg eines Zivilgerichtsverfahrens. Von der Möglichkeit, einen Strafantrag zustellen, raten wir grundsätzlich ab.

Einen medizinischen Behandlungsfehler nachweisen heißt, dass Sie beweisen müssen, dass der Arzt schuldhaft gehandelt hat und ein Ursachenzusammenhang zwischen dem rechtswidrigen Fehler und ihrem erlittenen Schaden besteht. Nur in wenigen Fällen wird eine Beweiserleichterung oder gar eine Beweislastumkehr möglich sein.

Sie können ein Privatgutachten erstellen oder den medizinischen Sachverhalt von Ihrer Krankenkasse, die man grundsätzlich informieren sollte, durch ein Gutachten des MDK vorklären lassen.

Es besteht die Möglichkeit, sich an Gutachter- oder Schlichtungsstellen der Landesärztekammern zu wenden. Hier ist allerdings Zurückhaltung geboten, zumal diese Stellen von der Ärzteschaft und Versicherungen finanziert werden und die Verjährung nur in der Zeit von der Zustimmung aller Beteiligten bis zur Zustellung eines Bescheids unterbrochen wird. Ein positiver Bescheid kann auch in eine Sackgasse führen, denn er führt nicht automatisch zur Entschädigung durch die Versicherungen. Ein negativer Bescheid kann zu einem großen Hindernis im nachfolgenden Zivilprozess werden.

Erst wenn Sie von einem Behandlungsfehler überzeugt sind, gehen Sie zu einem im Arzthaftrecht erfahrenen Rechtsanwalt, um ihre Ansprüche der Arzthaftpflichtversicherung vorzutragen. Solche Ansprüche werden oft abgelehnt und können dann nur gerichtlich erstritten werden.

Die dreijährige Verjährungsfrist auf Anspruch von Schadenersatz und Schmerzensgeld beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste (§199 Abs.1 BGB).

Bleiben Sie nicht allein, sondern suchen Sie Kontakt und Hilfe bei Betroffenen über die SGM (bis 2017: NGM, Notgemeinschaft Medizingeschädigter -Patient im Mittelpunkt- e.V.)! Hier steht man Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.